Lehramt für Gymnasien / Didaktik der Mathematik

Seit dem Wintersemester 2016/2017 bietet das Institut für Mathematik und Informatik den Studiengang "Mathematik für das Lehramt an Gymnasien" an. Laut Prüfungs- und Studienordnung besteht das Ziel dieses Studiengangs in einer "berufsbefähigenden fachwissenschaftlichen und praxisorientierten fachdidaktischen Vorbereitung" für die Laufbahn eines Mathematiklehrers an Gymnasien.

In der Tat geht es zum einen um eine fachwissenschaftliche mathematische Bildung und Ausbildung, die die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer zu würdigen und inspirierenden Vertretern ihres Faches macht. Zwar erscheint es nicht notwendig, die Studenten dieses Studiengangs an die Frontlinien der Mathematik im 21. Jahrhundert heranzuführen. Doch in dem Ziel, mathematische Denkweise und mathematische Kultur zu vermitteln, gibt es keinerlei Abstriche gegenüber anderen mathematischen Studiengängen ohne pädagogisches Berufsziel. Diese mathematische Kultur wird nach unserer Überzeugung durch mathematisches Handeln auf vielfältigen Ebenen verschiedenen Anspruchs verinnerlicht. Der zukünftige Mathematiklehrer soll selbstverständlich in seinem Werdegang Erfahrungen machen und Kenntnisse erwerben, die über die rein stofflichen Anforderungen des Mathematikunterrichts in der Schule weit hinausgehen. Zu unseren Grundüberzeugungen gehört die Sichtweise, dass diese Erfahrungen und Kenntnisse den zukünftigen Mathematiklehrer zu einem "reichhaltigen" Vertreter seines Faches machen; sie werden sich im Klassenzimmer in seiner Haltung und seiner Inspirationskraft auch dann zeigen, wenn es um vermeintlich elementare Dinge geht, die keinen offensichtlichen Bezug zu den tieferen Schichten eines Mathematikstudiums bieten.

Dennoch bleibt der Blick auf die Realität der Berufswelt ein ständiger Begleiter. Der Studiengang bietet daher zum anderen fachdidaktische Lehrveranstaltungen an, in denen Fragen des Mathematiklernens im Vordergrund stehen. Hier geht es durchaus ganz praktisch um Lehrpläne, typische Verständnisbarrieren von Schülerinnen und Schülern und um Fragen der Unterrichtsvorbereitung. Hier werden Schulpraktika angeboten und betreut, und es werden Unterrichtsentwürfe konzipiert. Zugleich beschränkt sich die fachdidaktische Bildung aber nicht auf das rein Praktische. Vielmehr werden wir beim Nachdenken über Mathematik und ihren Bildungswert immer wieder Brücken zur Mathematik als Fachwissenschaft bauen. Die Erlebnisse, die erwachsene Studenten beim Durchschreiten eines mathematischen Theoriegebäudes haben -- Desorientierung, Schwierigkeiten mit der formalen mathematischen Sprache , Aha-Erlebnisse, Euphorie im Falle des Erfolgs -- sind eng verwandt mit den Erlebnissen von Schülern im Mathematikunterricht. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Klassenzimmer, zwischen Universität und Schule reicht dabei natürlich weit über das Emotionale hinaus. Das schnöde Hantieren mit dem größten gemeinsamen Teiler im Schulunterricht beispielsweise besitzt feinsinnige Entsprechungen in allgemeineren mathematischen Strukturen; und diese Entsprechungen (auch auf anderen mathematischen Feldern) zu kennen, sie zu erleben und zu reflektieren ist ein zentraler Bestandteil mathematikdidaktischer Bildung und produziert eine sinnstiftende Klammer zwischen Mathematik als Wissenschaft und Mathematik als Schulfach.

"Der wirkliche Gehalt des Unterrichts liegt nicht einfach im stofflichen Ergebnis, sondern in dem, was sich an der Erarbeitung desselben vollzieht."

Alexander Wittenberg (1926-1965)


"Man kann Kindern erstaunlich viel Mathematisches beibringen, wenn man die Mathematikdidaktik daraus entfernt." 

Hartmut Köhler zitiert einen ungenannten Universitätsdidaktiker in: mathematica didactica 29 (2006) 2  

Ein Musterstudienplan
1Lineare Algebra IEinführung in die Informatik
2Lineare Algebra II
3Analysis I Basismodul Mathematikdidaktik
4Analysis II
5Gewöhnliche Differentialgleichungen Praxismodul Mathematikdidaktik
6Algebra / Zahlentheorie
7Stochastik Aufbaumodul Mathematikdidaktik
8Statistik Großes Schulpraktikum II
9GeometrieWahlmodul (z. B. Funktionentheorie, Spieltheorie, Graphentheorie)
10Das zehnte Semester ist als Prüfungssemester vorgesehen.

Die fachwissenschaftlichen Veranstaltungen, die bis einschließlich des fünften Semesters vorgesehen sind, werden zusammen mit Mathematikstudentinnen und -studenten anderer Studiengänge besucht. Die späteren fachwissenschaftlichen Veranstaltungen aus dem oben angegebenen Musterstudienplan wenden sich hingegen speziell an Lehramtsstudenten. Sie werden im Wesentlichen von Herrn Dr. Christian Becker und Herrn PD Dr. Felipe Leitner konzipiert und geleitet. Die Hauptverantwortung für die fachdidaktischen Veranstaltungen liegt bei Herrn Dr. Malte Wellnitz.

Das Examen

Die Staatsprüfung zum Abschluss des Studiengangs umfasst:

  • je Fachwissenschaft (Mathematik sowie das andere Fach) eine mündliche Prüfung von 60 Minuten
  • je Fachdidaktik eine mündliche Prüfung von 30 Minuten
  • die wissenschaftliche Abschlussarbeit: in einer der beiden Fachwissenschaften (im begründeten Ausnahmefall und auf Antrag auch in den Bildungswissenschaften), maximal 50 Seiten ohne Anhang.